{"id":1124,"date":"2013-06-19T08:03:44","date_gmt":"2013-06-19T06:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wspassau.de\/sonstiges\/100jahre\/?page_id=1124"},"modified":"2013-10-04T13:25:08","modified_gmt":"2013-10-04T11:25:08","slug":"georg-holtl","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wspassau.de\/sonstiges\/100jahre\/erinnerungen\/georg-holtl\/","title":{"rendered":"Georg H\u00f6ltl"},"content":{"rendered":"<p>Georg H\u00f6ltl, Sch\u00fcler der St\u00e4dtischen Wirtschaftsaufbauschule von 1942 bis 1944, gr\u00fcndete mit 17 Jahren sein<a href=\"http:\/\/www.wspassau.de\/sonstiges\/100jahre\/erinnerungen\/georg-holtl\/holtl\/\" rel=\"attachment wp-att-1126\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1126 alignright\" alt=\"H\u00f6ltl\" src=\"http:\/\/www.wspassau.de\/sonstiges\/100jahre\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/H\u00f6ltl.jpg\" width=\"140\" height=\"180\" \/><\/a><br \/>\neigenes Busunternehmen. Mit seinem Holzgas-Bus und dem Linienverkehr \u201eRappenhof-Tittling-Passau\u201c begann<br \/>\neine au\u00dfergew\u00f6hnlich erfolgreiche Unternehmerkarriere. Ab 1950 erfolgten Auslandsreisen, zun\u00e4chst mit den<br \/>\nReiseunternehmen \u201eH\u00f6ltl-Auto-Reisen\u201c und &#8222;Pax Christi-Reisen\u201c, ab 1959 schlie\u00dflich mit den \u201erollenden Hotels\u201c.<br \/>\nDie sehr erfolgreichen Rotel Tours sind nach wie vor weltweit einzigartig und mit 3800 Betten auf R\u00e4dern eine<br \/>\ntouristische und logistische Pionierleistung ersten Ranges.<\/p>\n<p>Bereits 1968 lie\u00df Georg H\u00f6ltl innovative Kabinenhotels patentieren, die zwar in Deutschland abgelehnt, weltweit<br \/>\naber zum Erfolgsmodell wurden. Gro\u00dfe Kabinenhotels mit Tausenden von Betten findet man heute in Japan, Korea und China.<\/p>\n<p>Es folgten 1973 die Er\u00f6ffnung des Ferienhotels Dreiburgensee sowie die Gr\u00fcndung des Museumsdorfes Bayerischer Wald, das in die Liste national wertvoller Kulturg\u00fcter aufgenommen wurde. 1985 er\u00f6ffnete Georg H\u00f6ltl nach denkmalpflegerischer Renovierung das Hotel Wilder Mann in der Passauer Altstadt, ein Vorbild f\u00fcr die Altstadtsanierung in Passau. Eine weitere, weltweite Anerkennung erreichte Georg H\u00f6ltl mit dem Glasmuseum Passau. 40000 Exponate dokumentieren hier europ\u00e4ische Glaskunst, Veredelungsbetriebe und Designer verschiedener Epochen, vom Barock \u00fcber Jugendstil bis zur Moderne.<\/p>\n<p>Ein Lebenswerk, das seinesgleichen sucht.<\/p>\n<p>Herr H\u00f6ltl erinnert sich:<\/p>\n<p><strong>1942 -1944: St\u00e4dtische Wirtschaftsaufbauschule &#8211; Handelsschule Passau:<\/strong><\/p>\n<p>Unsere liebe Mutter, immer vorsorgend f\u00fcr uns vier Kinder, schickt uns in den Kriegsjahren 1942 &#8211; 1944 in die St\u00e4dtische Wirtschaftsaufbauschule nach Passau. Mein Bruder Willi und ich sind in der Volksschule Rappenhof immer die Klassenbesten. &#8222;F\u00fcr Passau reicht das nicht&#8220;, meint unsere Mutter und schickt uns 1941 zur Vorbereitung ein Jahr in die Passauer Altstadtschule und erst dann in die St\u00e4dtische Wirtschaftsaufbauschule Passau.<\/p>\n<p>Mein Bruder wohnt bei unseren Knott Gro\u00dfeltern in Jacking, von dort hat er nur ein paar Minuten zum Bahnhof Tiefenbach &#8211; Passau. Ich komme zu unseren H\u00f6ltl Gro\u00dfeltern nach Hof bei Tiefenbach, von dort habe ich auch nur 2 km zum Bahnhof.<\/p>\n<p>Bei meinen H\u00f6ltl Gro\u00dfeltern und Tanten in Hof bin ich herzlich aufgenommen, aber lernen wird nicht als Arbeit angesehen, so ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass ich in der Landwirtschaft mithelfe, beim Lernen die K\u00fche weide und an Wochenenden beim Viehfutterschneiden die Ochsen oft stundenlang am G\u00f6ppel ziehe, damit sie nicht stehen bleiben. Gerne m\u00f6chte ich abends noch lernen, aber um 20:00 Uhr gehen die Gaslichter aus. Ich bin oft ganz ungl\u00fccklich und in tiefer Not. Mein Bruder kennt diese Probleme nicht, denn in Jacking ist Lernen anerkannt, dort gehen erst um Mitternacht die Elektrolichter aus. Ich bleibe ein Jahr bei meinen H\u00f6ltl Gro\u00dfeltern am Hof, dann versuche ich es als Fahrsch\u00fcler.<\/p>\n<p><strong>1942 bis 1944: Unsere Dampfzugfahrten von Witzmannsberg nach Passau:<\/strong><\/p>\n<p>Mein Bruder Willi will mich als Fahrsch\u00fcler nicht allein lassen. Er will aber auch nicht, dass wir Jacking zu sehr belasten und zu zweit dort wohnen. So werden wir beide Fahrsch\u00fcler unter extrem harten Bedingungen. Mit dem Linienbus von Tittling nach Passau d\u00fcrfen nur Tittlinger Sch\u00fcler fahren, die &#8222;Ausw\u00e4rtigen vom Rappenhof&#8220; m\u00fcssen den &#8222;Dampfzug Witzmannsberg &#8211; Passau&#8220; nehmen. B\u00f6hmerw\u00e4ldler, uniformierte Gruppen, Sch\u00fcler, Bauersleute, Fl\u00fcchtlinge, Soldaten und Verwundete sitzen im Zug. Verdunkelung, Kriegsbilder wie &#8222;Kohlenklau&#8220; oder &#8222;Der Feind h\u00f6rt mit&#8220; bleiben in Erinnerung.<\/p>\n<p>Um 03:30 Uhr m\u00fcssen wir schon aus dem Bett und von Rappenhof zum Dampfzug nach Witzmannsberg rennen, fast jeden Tag verschlafen wir. ln Kalteneck m\u00fcssen wir meistens eine Stunde auf den \u00fcberf\u00fcllten &#8222;B\u00f6hmerwaldzug Winterberg &#8211; Passau&#8220; warten. Dann stehen wir im Zug bis Passau. Lernen im Zug ist nur schwer m\u00f6glich. Zwischen 05:30 \u2013 06:00 Uhr fr\u00fch kommen wir todm\u00fcde am Hauptbahnhof in Passau an. Dann lernen im \u00fcbervollen und lauten Wartesaal, bis um 8.00 Uhr die Schule beginnt. Eine \u00e4hnliche Strapaze erleben wir bei der R\u00fcckfahrt. Erst um 19:00 Uhr kommen wir heim.<\/p>\n<p>Wir beneiden die Internatssch\u00fcler: Wir k\u00f6nnen nicht im Heim bleiben, weil unsere Eltern nicht das Geld haben. Wir schaffen diese Strapaze nur ein Jahr lang, dann geben wir auf. 1944 d\u00fcrfen wir beide bei unseren Gro\u00dfeltern in Jacking bleiben. Jeden Montag muss jeder Sch\u00fcler ein St\u00fcck Alteisen in die Handelsschule mitbringen. Das ist f\u00fcr uns kein Problem, denn jeden Tag laufen wir beim Schrotth\u00e4ndler St\u00fcmpfl vorbei. Dort ziehen wir ein St\u00fcck Eisen aus dem Schrotthaufen und bringen es in die Schule. Der Schrotth\u00e4ndler St\u00fcmpfl tut nichts dagegen, denn er wei\u00df, er bekommt es wieder.<\/p>\n<p><strong>Verfolgungsjagd der Auerbacher Fahrsch\u00fcler:<\/strong><\/p>\n<p>Die Auerbacher Fahrsch\u00fcler haben wir in b\u00f6ser Erinnerung. Wir vom Land tun niemanden etwas, dennoch werden wir verfolgt. Die Auerbacher sind die Starken und wollen Raufereien. Wir sch\u00e4men uns, melden unseren Eltern und Lehrern nichts und bleiben oft die Gejagten.<\/p>\n<p><strong>1943 sind wir in den Sommerferien zwei Wochen beim &#8222;Hopfenzupfen&#8220; in Mainburg.<\/strong><\/p>\n<p>Mein Bruder und ich sind 1943 mit den Schulklassen zwei Wochen beim Hopfenzupfen in Mainburg. Ich bin erstmals so weit von zuhause weg. Gerne w\u00e4re ich bis M\u00fcnchen gekommen. Ich arbeite beim Winkler Br\u00e4u und mein Bruder bei irgendeinem Bauern. T\u00e4glich kommt der &#8222;gro\u00dfe Winklerbr\u00e4u&#8220; hoch zu Ross auf das Feld. Er reitet, schwarz gekleidet, auf dem Rappen, braun gekleidet auf dem Braunen und wei\u00df gekleidet auf dem Schimmel. Die Abschiedsfeier in der Mainburger Stadthalle ist grandios. Ein Passauer Handelssch\u00fcler-Hopfenzupfer komponiert ein Lied und singt es f\u00fcr einige hundert Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler: &#8222;Mein Passau am herrlichen Donaustrand, mein Passau in herrlichen Zeiten.&#8220; Da fangen viele zu weinen an, die Stimmung ist wohl \u00e4hnlich wie bei den Soldaten im entfernten Russland.<\/p>\n<p><strong>Die St\u00e4dtische Wirtschaftsaufbauschule rettet mich vor &#8222;Russischer Kriegsgefangenschaft oder Tod&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Im Januar 1945 kommen Offiziere in unser Reichsarbeitsdienstlager Wolkering und w\u00e4hlen zwei von den 220 Mann der Kompanie f\u00fcr die Motorsportschule. Ich bin einer von den 220 Mann, weil ich von der St\u00e4dtischen Wirtschaftsaufbauschule komme und den F\u00fchrerschein Klasse II f\u00fcr Schwerfahrzeuge besitze. Als einziger von den 220 Mann der Kompanie komme ich in die Motorsportschule. Ich darf die Ausbildung \u00fcber Motor und Sport erleben und auch noch den F\u00fchrerschein Klasse I f\u00fcr Motorr\u00e4der aller Art machen. Alle meine 219 Kameraden vom Reichsarbeitsdienst Wolkering kommen am 15. Februar 1945 sofort zum Milit\u00e4r, werden bei Prag &#8222;dem Russen vorgeworfen&#8220;, fallen dort oder geraten in russische Gefangenschaft.<\/p>\n<p><strong>Im M\u00e4rz 1945 wiederholt sich mein Riesengl\u00fcck!<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mann von den 220 Mann der Kompanie wird f\u00fcr die Schreibstube der Motorsportsschule gesucht. Ich melde mich und werde genommen, weil ich von der St\u00e4dtischen Wirtschaftsaufbauschule komme und Maschinenschreiben kann. Zwei Mal habe ich das Gl\u00fcck, jeweils als einziger von 220 Mann f\u00fcr die Motorsportschule genommen zu werden, weil ich von der St\u00e4dtischen Wirtschaftsaufbauschule komme. Ich bleibe beim Reichsarbeitsdient, komme nicht zum Milit\u00e4r, entgehe dem Schicksal &#8222;Russischer Kriegsgefangenschaft oder Tod&#8220; und bin schon zum Kriegsende 1945 wieder zu Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg H\u00f6ltl, Sch\u00fcler der St\u00e4dtischen Wirtschaftsaufbauschule von 1942 bis 1944, gr\u00fcndete mit 17 Jahren sein eigenes Busunternehmen. Mit seinem Holzgas-Bus und dem Linienverkehr \u201eRappenhof-Tittling-Passau\u201c begann eine au\u00dfergew\u00f6hnlich erfolgreiche Unternehmerkarriere. Ab 1950 erfolgten Auslandsreisen, zun\u00e4chst mit den Reiseunternehmen \u201eH\u00f6ltl-Auto-Reisen\u201c und &#8222;Pax Christi-Reisen\u201c, ab 1959 schlie\u00dflich mit den \u201erollenden Hotels\u201c. 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