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Gemeinsam gegen Cybermobbing

Gemeinsam gegen Cybermobbing

Wie fühlt es sich an, wenn jemand die eigenen Grenzen überschreitet? Wie kann ich deutlich machen, dass mir etwas zu viel wird? Wie gelingt ein respektvoller Umgang miteinander, sowohl im persönlichen Kontakt als auch in der digitalen Welt? Wo hört eigentlich Spaß auf und wann beginnt Mobbing? In welchem Fall habe ich es mit einer Straftat zu tun? Und was löst Mobbingerfahrung eigentlich in den betroffenen Personen aus? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klassen bei insgesamt drei Workshops des Bündnisses gegen Cybermobbing e. V. Mitte Oktober.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen, die von Frau Schröder vom Bündnis gegen Cybermobbing e. V. durchgeführt wurden, standen die Themen Cybermobbing, gegenseitiger Respekt und der bewusste Umgang mit den eigenen Grenzen und denen anderer Menschen. Dabei ging es nicht nur um Informationen und Erfahrungsaustausch, sondern auch um praktische Übungen, bei denen die Kinder ihre Wahrnehmung schärfen und unterschiedliche Situationen unmittelbar erleben konnten.

„Stopp!“ sagen

In einer Übung beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Nähe und Distanz. Dabei wurde deutlich, dass jeder Mensch unterschiedlich viel Nähe zulässt und persönliche Grenzen individuell wahrgenommen werden. Die Kinder lernten, auf ihr eigenes Empfinden zu achten, unangenehme Situationen zu erkennen und klar „Stopp!“ zu sagen, wenn ihnen etwas zu viel wird. Ebenso wichtig ist es, die Grenzen anderer ernst zu nehmen und ein ausgesprochenes „Stopp“ ohne Diskussion zu akzeptieren.

Bei einer weiteren praktischen Übung stand das Aufeinanderzugehen im Mittelpunkt. Eine Person befand sich in der Mitte, während sich die anderen auf sie zubewegten. Dadurch wurde unmittelbar erfahrbar, wie es sich anfühlt, wenn mehrere Menschen gleichzeitig näher kommen, der persönliche Abstand dadurch immer kleiner wird und Grenzen überschritten werden. Die Übung verdeutlichte, wie wichtig es ist, die Reaktionen anderer wahrzunehmen, auf Empfindungen zu achten und rechtzeitig Abstand zu halten. Sie zeigte auch, dass eine Grenze nicht erst dann respektiert werden muss, wenn jemand laut wird und „Stopp!“ sagt.

Diese Erfahrungen lassen sich auch auf den digitalen Alltag übertragen. Zwar gibt es in Chats und sozialen Netzwerken keine körperliche Nähe, doch auch hier können persönliche Grenzen überschritten werden – etwa durch beleidigende Nachrichten, verletzende Kommentare, unerwünschte Bilder oder wiederholte Kontaktversuche. Ein klares „Stopp“ ist deshalb auch im digitalen Raum wichtig. Gleichzeitig müssen Kinder wissen, dass sie sich Unterstützung holen dürfen, wenn ihre Grenzen nicht respektiert werden. Aus Scham sollte eine betroffene Person niemals schweigen.

Verantwortung übernehmen

Die Workshops machten deutlich, dass Cybermobbing nicht nur die unmittelbar betroffenen Personen angeht. Auch Mitschülerinnen und Mitschüler, die Beleidigungen beobachten, Nachrichten weiterleiten oder Ausgrenzung mitbekommen, können etwas bewirken. Wegschauen hilft den Betroffenen nicht. Unterstützung, Zivilcourage und das Einbeziehen einer Vertrauensperson können dagegen wichtige Schritte sein.

Ergänzend zu den Schülerworkshops nahmen auch die Lehrkräfte nachmittags an einer Fortbildung mit Frau Schöder teil. Ziel war es, für die Anzeichen von Cybermobbing zu sensibilisieren und Handlungsmöglichkeiten für den Schulalltag kennenzulernen. Verschiedene Eskalationsstufen wurden verdeutlicht und ein Notfallplan sowie entsprechende Vorgehensweisen diskutiert.

Projektphase

Die Veranstaltung bildet den Auftakt zu einer mehrwöchigen Projektphase. In den kommenden Wochen sollen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften Themen rund um Cybermobbing vertiefen und sich kreativ mit einem respektvollen Miteinander sowie einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beschäftigen.

In etwa acht Wochen ist ein Elternabend geplant, bei dem das Projekt und die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler vorgestellt werden. Dabei wird auch der Austausch darüber im Mittelpunkt stehen, wie Schule und Elternhaus gemeinsam dazu beitragen können, Kinder vor Cybermobbing zu schützen und sie in ihrer sozialen und digitalen Kompetenz zu stärken.

Verena Reitmaier