Konsumkritische Stadtführung im Ethikunterricht

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der Ethikgruppe der 7. und 8. Jahrgangsstufe der Staatlichen Wirtschaftsschule bereits im Unterricht mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt hatten, machten sie sich an einem heißen Sommertag Ende Juni mit ihrer Lehrerin Frau Reitmaier auf den Weg in die Stadt, um an einer konsumkritischen Stadtführung teilzunehmen. Die beiden Stadtführerinnen Theresa Albert und Lena Hildebrand, beide Studentinnen der Universität Passau, zeigten zu Beginn der Führung mit Hilfe eines Spiels anschaulich auf, dass ein System dauerhaft nicht funktionieren kann, wenn jeder stets nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Die erste Station führte die Gruppe dann an den Inn, wo die Stadtführerinnen thematisch auf den Wasserverbrauch eingingen. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler unter anderem, dass ein Bundesbürger täglich im Schnitt ca. 124 Liter Wasser verbraucht, wovon lediglich 5 Liter auf lebensnotwendigen Wasserkonsum wie trinken und kochen entfallen. Sogleich überlegten die Jugendlichen, wie sie selbst zuhause Wasser einsparen könnten, indem sie künftig z. B. beim Zähneputzen den Wasserhahn abdrehen oder beim Geschirrspüler das wassersparende Öko-Programm einstellen. Den Schülerinnen und Schülern wurde bewusst, dass der größte Anteil des täglichen Wasserverbrauchs überhaupt nicht lebensnotwendig ist.

Frau Albert erklärte weiterhin, dass es auch sogenanntes virtuelles Wasser gebe, das für die Herstellung unzähliger Konsumgüter benötigt wird. Deutlich wurde dies am Beispiel von Karotten im Vergleich zu Kakao. Für 1 kg regional gewachsener Karotten wird ein Wasserverbrauch von ca. 130 Litern angesetzt, für ein 1 kg des Importprodukts Kakao werden ca. 27.000 Liter Wasser benötigt, eine vergleichsweise ungeheuerliche Menge. Der weitere Weg führte die Gruppe zum „Tante Emmer“-Laden in der Grabengasse. Auf Nachfrage von Frau Hildebrand reflektierten die Schülerinnen und Schüler zunächst, welche Artikel aus Plastik sie an diesem Tag bisher benutzt hatten, z. B. Zahnbürste, Shampoo, Deo, Lebensmittelverpackungen, Flaschen und vieles mehr. Problematisch an derlei Produkten ist jedoch, dass diese aus Erdöl bestehen, welches in einem Zeitraum von über 200 Millionen Jahren entsteht bis es abgebaut werden kann, die genannten Produkte jedoch nur eine vergleichbar geringe Zeit in Benutzung sind, bevor sie auf den Müll wandern. Im Vergleich zu einem Apfelgehäuse, das innerhalb von ca. zwei Monaten verrottet, benötigt beispielsweise eine Plastiktüte, die im Meer schwimmt, mindestens 10 bis 20 Jahre bis sie in Mikroplastikteile zerfallen ist, eine herkömmliche Plastikfalsche sogar bis zu 450 Jahren. Da Meerestiere die im Meer befindlichen Mikroplastikpartikel mit der Nahrung aufnehmen, landen diese letztendlich durch den Konsum von Fisch oder Meeresfrüchten auch im menschlichen Organismus. Unklar ist diesbezüglich, was die ca. 5 g wöchentlich vom Menschen über Nahrung aufgenommenen Plastikpartikel langfristig für eine Auswirkung auf die Gesundheit haben können. Aber wie kommt das Mikroplastik eigentlich ins Meer? Ganz einfach: unter anderem nämlich auch dadurch, dass Industrieländer wie Deutschland Müll ins asiatische Ausland exportieren, wo dieser mitunter im Meer entsorgt wird. Und wie lässt sich Plastikmüll eigentlich reduzieren? Beispielsweise durch die Verwendung wiederverwendbarer Obst- und Gemüsenetze, von Glas- oder Edelstahlflaschen, wieder befüllbaren Coffee-To-Go-Bechern und Zahnbürsten aus Bambusfasern, um nur einige Beispiele zu nennen.

Im „Tante Emmer“-Laden, in welchem es u. a. eine große Palette an unverpackten Lebensmitteln und abfüllbaren Produkten gibt, füllten Albert und Sara im Selbstversuch dann Couscous in ein mitgebrachtes Schraubverschlussglas sowie Spülmittel in eine leere Flasche ab. Auch die käuflich erworbene Honig-Shampoo-Seife stieß aufgrund ihres angenehmen Duftes auf Schüler- sowie Lehrerseite durchweg auf positive Resonanz. An der letzten Station der Stadtführung, in der Stadtgalerie, machte Frau Albert auf das Problem von Inhaltsstoffen in kosmetischen und medizinischen Produkten aufmerksam, die durch Tierversuche erprobt werden. Seit ca. 30 Jahren wird in Deutschland zwar bei fertigen Produkten auf die Erprobung an Tieren verzichtet, dies gilt jedoch nicht für alle Inhaltsstoffe. Allerdings gibt die Tierschutzorganisation PETA eine regelmäßig aktualisierte Liste heraus, in der tierversuchsfreie Kosmetika aufgeführt sind, sodass man sich beim Einkauf an dieser orientieren kann. Ein Hinweis auf tierversuchsfreie Kosmetikartikel liefert auch das Symbol eines Hasen auf einigen Produktverpackungen. Nach einer aufgrund der hohen Temperaturen sehr heißen, aber durchweg interessanten und kurzweiligen Stadtführung entließen die beiden Stadtführerinnen die Gruppe mit etlichen neuen Informationen, Anregungen zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten sowie Ansätzen zu Verhaltensänderungen in die wohlverdiente Mittagspause.

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