WS Passau

Karl Heinz Gross

Gross_Karl-HeinzNachdem ich von dem damaligen „Prof. Scheigele“ zu seinem Hauptaufseher benannt wurde,
kann ich über ihn einiges erzählen. Er war damals Vize-Direx (hinter H. Zilk) jedoch der wahre Chef,
der an unserer damaligen Schule bestimmte!

Ich glaube, er verdient es, über seine Erziehungs-, Lernmethoden kurz zu sprechen.

In der heutigen Zeit undenkbar, ja strafbar, jedoch unheimlich wirksam – seine psychologischen Umgangsformen.

 

Einige kleine Beispiele (würde in Wirklichkeit ein Buch füllen)

a) Lernen ohne Buch, nur mit einem Heft, welches in jeder Unterrichtsstunde erweitert wurde – BWL! (jeder Schüler konnte dieses Heft auswendig, weil notwendig)

Warum: H. Scheigele kommt in die Klasse, wirft einem Schüler sein Notenheft hin und sagt:

„Schlag eine Seite auf, der Schüler war dann dran zum Ausfragen und musste an die Tafel. Nun bestimmte er eine Sitzreihe von Schülern (von hinten nach vorn, oder umgekehrt, oder alphabetisch, die den eigenen Mitschüler ausfragen musste, er stand daneben und benotete!)

Der psychologische Druck war unnormal – warum:

Der Mitschüler wollte ja nicht, dass ein Spezel eine schlechte Note erhält – Gefahr:

War die Frage zu leicht (Standart wie z. B. Merkmale vom Scheck oder Wechsel) musste man selber raus – an die Tafel!

War die Frage zu schwer, kam es oft vor, dass die halbe Klasse eine 6 bekam, die der Mitschüler in sein Notenheft schreiben musste …

 

b) Schulaufgaben und Exen wurden generell nie angesagt – man war jeden Tag auf Hochspannung!

Kam in die Klasse und sagte: „Die linke Sitzreihe bleibt sitzen, die rechte Sitzreihe geht eine Stunde spazieren in der Stadt …“

Beschwerden von Eltern darüber waren nicht ratsam.

 

c) Zusammenarbeit mit Eltern war daher nicht notwendig, weil er eigene Methoden für die „Bestrafung“ hatte

H. Scheigele brauchte keine Verweise und Arreste nach Hause schicken, er „bestrafte“ viel wirkungsvoller und zwar:

Nachmittags lehrte er ja noch manchmal an der VHS im Haus. Sein Ausspruch war nur:
Wir sehen uns um 14:00 Uhr in der VHS – was heißt das:

Der Schüler stand dann in der Erwachsenen-Unterrichtseinheit (für uns damals) und wurde nur zum Tafelabwischen/Notizaufschreibungen gebraucht und dementsprechend behandelt …

Das war so fürchterlich – dass im Vorfeld bei H. Scheigele sehr, sehr wenig passierte!

 

d) Kurz eine Anekdote: Als ich 1972 die Inspektor-Prüfung machte und im Vorfeld Hausaufgagen zu absolvieren hatte:

Ich ging in meiner Unwissenheit in die Innstadt, wo H. Scheigele wohnte und fragte ihn, ob er mir helfen könnte:

Antwort an seine Frau: Weib, hol Wein vom Keller – wir haben was zu besprechen!

Ich war natürlich sehr stolz, dass er mir anstandslos nach vielen Jahren sofort half. Mit den Ergebnissen, die ich dann servierte, waren die Referenten dann sehr überrascht, warum: Es war alles richtig, nur der Weg dahin (ohne Paragrafen!) war schwer nachvollziehbar. Beispiel:

Bauer verpfändet Kuh, Kuh gibt Milch – wem gehört die Milch?

Kuh bekommt Kalb – wem gehört Kalb usw. … usw…